90 Days of Glow

Praktikumsbericht von Franz Leuschner

Hello, hello Glow!

Im siebten Semester des Studiengangs Kommunikationsdesign der HTW Berlin steht ein mindestens 12-wöchiges Praktikum an.
Nach vielen Bewerbungen bin ich bei glow Berlin gelandet. Nicht zu groß, nicht zu klein und mit einem herzlichen Chef an der Spitze.

In 90 Tagen um den glowbus

Rund 90 Tage war ich bei glow und habe mich dort mit After Effect rumgeschlagen, YouTube durchforstet, mit der Kamera bewaffnet, Bettdecken geglättet, Websiten gebändigt, Pitches verloren und gewonnen und vor allem viele liebe Menschen kennengelernt.

Mein Praktikum habe ich dabei regelmäßig durch kleine Videos bei Vine dokumentiert.

Montagsmeeting

Die Woche fängt bei glow immer mit einem Meeting an, in dem anstehende Termine besprochen, Ergebnisse der letzten Woche präsentiert und erwähnenswerte Beispiele aus der Werbung oder Netzfundstücke gezeigt werden.

Agentur-Fakten

  • Name: glow communications
  • Website: www.glow-berlin.de
  • Rechtsform: GmbH
  • Mitarbeiter: 10 fest, 2–4 Praktikanten
  • Kunden: Lingerie, NGOs, Dienstleister und eCommerce
  • Arbeitsbereiche: Online, Print, Film, Corporate

Praktikum-Fakten

  • Zeitraum: 17. August – 15. Dezember 2015
  • Arbeitszeit: 40h-Woche
  • Gehalt: 400 € / Monat
  • Arbeitsbereiche: Video, Foto, Webdesign, Grafik
  • Kaffee kochen: nein
  • Agentur-Facebook-Freunde: 5

Die ersten Tage

"Franz, wir müssen eine Kreuzung mit viel Verkehr drehen. Such mal eine raus!"

Meine erste Tätigkeit war also die Suche nach einer Kreuzung. Viel mit Design hat das nicht gerade zu tun, dachte ich mir. Nach und nach wurde ich mit den organisatorischen Abläufen vertraut gemacht. E-Mail, Kalender, Ordner- und Dateistruktur. Und dann ging es aber auch schon los mit kleineren gestalterischen Arbeiten.

Die Arbeit in der Agentur

Selbstständigkeit

Das Praktikum war meine erste Erfahrung mit der Agenturarbeit. Seit längerer Zeit arbeite ich jedoch selbstständig und produziere Videos. In einer Agentur zu arbeiten unterscheidet sich schon in vielen Dingen von meiner selbstständigen Tätigkeit.
Einerseits habe ich die Teamarbeit geschätzt: der schnelle Austausch, Nachfragen, Meinungen einholen. Aber natürlich auch die gemeinsamen Mittagspausen und Geburtstagskuchen essen sind eindeutig Vorteile in einer Agentur.
Andererseits konnte ich mich, im Gegensatz zu meiner selbstständigen Tätigkeit, oft nicht so sehr mit den Projekten identifizieren. Mir fehlte dort der direkte Kontakt zu den Auftraggebern und ich kann mich bei eigenen Projekten stärker motivieren. Auch die flexibleren Arbeitszeiten der Selbstständigkeit habe ich vermisst.

Studium

Interessant war auch der Austausch mit meinen Kommilitonen Bennet und Joanna bei unseren wöchentlichen Mensabesuchen. Zusammen haben wir oft unsere Praktika mit dem Studium verglichen. Mein persönlicher Eindruck war, dass es in der Agentur logischerweise viel größere finanzielle, zeitliche und gestalterische Einschränkungen gibt.

Methoden aus dem Studium konnte ich in den Pitches und während der Gestaltung wiederfinden. Allerdings ist der zeitliche Rahmen oft enger gesetzt und somit wird nicht alles bis zum Letzten hinterfragt.

Praktikum

Meine Arbeit teilte sich in eher handwerkliche Jobs und auch immer wieder sehr erfrischende neue Projekte. Als Praktikant wurden mir bei glow sehr viele Freiheiten gelassen und meine Ideen und Vorschläge wurden oft aufgenommen und waren sehr willkommen. Größtenteils arbeitete ich selbstständig, stellte die Zwischenstände und arbeitete mit den Änderungen weiter an dem Projekt.
Der Hauptansprechpartner war für mich Johannes Krempel, Art Director und Geschäftsführer der Agentur. Des Weiteren die jeweiligen Gestalter, die an den verschiedenen Projekten arbeiten.
Kritisch anmerken muss ich, dass die Praktikanten einen großen Teil der Agenturarbeit übernehmen und man stark von den vorhandenen Fähigkeiten der Praktikanten profitiert. So gab es beispielsweise im Bereich Video keinen festen Mitarbeiter.

Tätigkeiten

Im Laufe des Praktikums haben sich meine Arbeitsbereiche allmählich verschoben. Anfangs habe ich vor allem gedreht und in Premiere geschnitten oder Animationen in After Effects erstellt. Gegen Ende des Praktikums arbeitete ich dann aber hauptsächlich am interaktiven Jahresrückblick der Agentur und habe Code geschrieben und die Creative Suite vor allem zum Aufbereiten der Inhalte für die Website genutzt.

Fazit

Zum Ende des Studiums war es interessant, noch einmal zu einem Praktikum "gezwungen" zu sein. Dadurch hatte ich die Chance, den Beruf jenseits der Selbstständigkeit kennenzulernen.

Meine Erwartungen an die Agentur-Praxis haben sich größtenteils bestätigt. Es wird lang gearbeitet, es gibt eine große Konkurrenz und dadurch wird kreative Arbeit oft schlecht bezahlt.

Andererseits empfand ich eine große Wertschätzung der Arbeit, sowohl von Seiten der Agentur, als auch von Kundenseite.

War ich vor dem Praktikum der Überzeugung, unbedingt in die Selbstständigkeit zu gehen, könnte ich mir – sofern die Rahmenbedingungen passen – auch eine Arbeit in einer Agentur oder Kreativgemeinschaft vorstellen.